Month: Mai 2016

Aussagekräftig…

Aussagekräftig…

…prangt seit Mai 2016 ein Zitat des Philosophen Walter Benjamin (1892-1940) am Deutschen Panzermuseum: „Wer aber den Frieden will, der rede vom Krieg.“

Panzermuseum

Dieses bedeutende Zitat durften wir zur Eröffnung als Fassadenbeschriftung auf die frisch gestrichene Hauswand des Eingangsbereichs aufbringen, was auch in einem kleinen Filmchen festgehalten wurde. Sehen Sie selbst

 

Woher stammt das Zitat?

Walter Benjamins wirkte als Übersetzer (unter anderem von Proust, Balzac und Baudelaire) und als Philosoph. Seit den 1960er Jahren gilt Benjamin als einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts. Der Deutschlandfunk nannte ihn 2014 „eine der Lichtgestalten der deutschen Philosophie.“

„Si vis pacem para bellum“ Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg. Marcus Tullius Cicero.

Benjamin kannte diese antike Vorlage mit ziemlicher Sicherheit und kopierte sie hier keineswegs einfach. Die römische Redewendung zielt darauf ab, Frieden mit der Androhung und, wenn nötig, mit der Ausübung kriegerischer Gewalt zu erzwingen. Dies passt in eine Kultur, in der Krieg ein normales, handhabbares Mittel der politischen Auseinandersetzung war.

Benjamins Zitat will diesen Ansatz nach der Erfahrung des unkontrollierten, industriellen Massenschlachtens des Ersten Weltkrieges weiterentwickeln. „para bellum“ würde unter den Vorzeichen des Totalen Krieges keinen „pacem“, sondern nur endloses Leid und totale Vernichtung bringen. Wenn er aber unführbar geworden ist, muss die Menschheit Krieg künftig komplett vermeiden. Und um dies zu erreichen, müssen die unfassbaren Schrecken des im Jahre 1928 modernen Krieges ungeschönt und krass gezeigt, besprochen, erinnert werden – um jeder Versuchung zur Kriegführung den Boden zu entziehen.

 

Warum dieses Zitat am Deutschen Panzermuseum?

Das Deutsche Panzermuseum Munster ist durch seine kommunalen und militärischen Träger eine Institution der Bundesrepublik Deutschland. Das Museum vertritt aktiv die Werte dieses Staates, zu denen auch die Ablehnung von Krieg als Instrument zählt. Sein Werkzeug dazu ist, die Besucherinnen und Besucher zur fundierten, kritischen und selbstständigen Auseinandersetzung mit dem Krieg anzuregen.

„Ein Panzermuseum braucht niemand.“ und „Sowas verherrlicht doch nur den Krieg.“ Das Zitat des Philosophen packt beide Einwände an der Wurzel: Wir reden vom Krieg, weil wir den Frieden wollen.